Kambodscha
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Siem Reap

Mit dem Halt des Busses wache ich auf. Von Mitternacht (Phnom Penh) bis zur Ankunft in Siem Reap um 6 Uhr morgens hatte ich seelig durchgeschlafen. Schnell müssen wir den Bus räumen, der mit zwei weiteren auf einem leeren Grundstück parkt. Zur Straße hin ist es mit einem Zaun und einer verschlossenen Gittertür abgesperrt.

30-50 Tuk-Tuk- und Moto-Fahrer warten hinter diesem Gitter auf der Straße. Sobald wir unser Gepäck haben, wird die Tür geöffnet und die Fahrer stürzen sich auf mögliche Kunden. Wir sind froh mit Namensschild von einem Tuk-Tuk unseres Guesthouses abgeholt zu werden. Wir fahren in den jungen Tag. Im Fahrtwind fangen wir beinahe an zu frieren. Ein herrliches Licht beleuchtet das Leben auf der Airport-Road. Nach dem Einchecken begleitet uns der Tuk-Tuk Fahrer ins Zimmer. ‚So, what time tomorrow‘ fragt er beim Abschied, dabei hatten wir noch gar nicht entschieden, wie wir zu den Tempeln kommen wollten. So schnell gehts. Jetzt haben wir also einen Fahrer, der uns die kommenden drei Tage durch den Angkor-Park fahren wird.

Heute machen wir einen Stadtrundgang durch Siem Reap, essen in einem besseren vegetarischen Restaurant leckeres Curry, besuchen ein riesiges Kloster mit eigenem Radiosender und die im Umkreis liegenden Grabstätten. Auf Plakaten am FCC erfahre ich, dass hier gerade das nationale Angkor-Photofestival zu Ende gegangen ist. Einige Arbeiten sind im Stadtraum an Wände tapeziert und noch zu sehen. Ich ärgere mich zu spät zu sein. Christian Caujolle, ein Kurator aus Paris, mit dem ich für die Recherche von ‚afrika apart‘ korrespondiert hatte, scheint sich der kambodschanischen Fotoszene angenommen zu haben. Seinen Namen lese ich später bei der Veranstaltung Phnom Penh Photo wieder. Und es sind tatsächlich einige afrikanische, überwiegend sozial-dokumentarische Positionen zu sehen. Der Gewinner ist ein junger kambodschanischer Fotograf. Er zeigt Porträts, die er nachts mit dem Blitz fotografiert. (mehr erfahren, hier klicken…Bericht der PPP)

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück, erwartet uns unser Tuk-Tuk Fahrer. Route und Reihenfolge der zu besichtigenden Tempelanlagen zeigt er uns auf einer Karte. Für heute sind es acht. Kurz entschlossen kaufen wir am Eingang ein 7-Tages-Ticket, um den einen oder anderen Tempel später noch einmal langsam mit dem Fahrrad zu erkunden. Angkor gehört heute wieder dem Sokha-Konzern. Aber vielleicht bedurfte es eines privaten Unternehmers, um die Logistik zu erarbeiten und zu finanzieren, Touristenströme zu lenken und daran zu hindern auf eigene Faust noch mehr Schaden an den Tempelanlagen zu verursachen. Viele Frauen sehen wir den Wald fegen. Es ist überall sauber und gepflegt. Sie haben immerhin einen Job. Über die Bezahlung wissen wir nichts.

Wir beginnen am Südtor von Angkor Thom, einer alten Stadtanlage, in der Tempel, Reste des Palastes und andere Bauten zu sehen sind. Eine Brücke vor dem Tor überquert den breiten Wassergraben. Auf der rechten Seite ziehen Dämonen, auf der linken Seite Götter an einer Schlange. Wie die einzelnen Tempel hat die Stadt einen quadratischen Grundriss (3 auf 3 km) und den Wassergraben ringsherum. Das (vollkommene) Quadrat symbolisiert den Kosmos, das Wasser den Milchozean, in dem der Kosmos schwimmt. Wir beginnen unsere Besichtigungstour mit dem Bayon, einem Tempel, der die riesigen milden Gesichter Jayavarman VII trägt. Diese bis zu sieben Meter hohen Gesichter sehen wir auch an den Toren von Angkor Thom und an den Eingangsportalen zu anderen Tempeln. Jayavarman VII gilt als einer der sozialsten Herrscher Angkors, er hat mehr als Hundert Krankenhäuser gebaut und deren Versorgung organisiert.

(mehr wissen? Angkor Thom…, Bayon… , Jayavarman VII…)

Jayavarman VII lebte in einer Zeit des Übergangs und des gleichberechtigten Nebeneinander von Hinduismus und Buddhismus. Nebeneinander und durchdrungen auch die Götterstatuen: Shiva, Vishnu (seltener Brahma), die hinduistischen Götter in ihren verschiedenen Inkarnationen, mit ihren Frauen und Vehikeln neben Buddhafiguren. In fast allen Ruinen finden wir neben den Spuren vergangenen Lebens kleine Nischen, in denen lebendiger Buddha-Kult betrieben wird. Natürlich geht es den Tempelverkäufern auch darum, von den überwiegend asiatischen Touristen Spendengelder einzusammeln. (mehr wissen? Buddhismus…, Hinduismus…, Shiva…, Vishnu…, Buddha…)

In allen Tempeln bewegen wir uns gleichzeitig mit einer Menge anderer Touristen. Am auffälligsten für uns die Koreaner, die wir anfangs fälschlich für Japaner hielten. Wir sehen sie immer in Gruppen zu mindestens 20, immer in einer Art Wanderoutfit, dabei kaum laufen könnend, immer mit identischer, gruppenübergreifender Kopfbedeckung, immer doppelt so schnell und viermal so laut wie der Rest der Welt. Korea (welches eigentlich?) ist einer der größten Investoren in Kambodscha. Diese Reisegruppen, erfahren wir, wohnen in koreanischen Hotels, essen in koreanischen Restaurants und werden von koeranischen Reiseunternehmen transportiert. Sie lassen also kein Geld im Land, wenn auch die niederen Arbeiten in den meisten koeranischen Hotels von Khmer ausgeführt werden.

Nach dem Bayon besuchen wir den Baphuon-Tempel, wegen Restaurierung sehen wir hier nicht viel. Danach streifen wir über das Gelände des ehemaligen Palasts, der, in Holz gebaut, nicht erhalten ist, zur Elephantenterrasse und der Terrasse des Leprakönigs. Es ist Mittag, heiß und das Licht nicht besonders schön. Die Terrassen dienten der Repräsentation. Spannend erleben wir den Weg zwischen den beiden Außenmauern der Terrasse des Leprakönigs. Hier begegnen wir jeder Menge Götter, Göttinen und Nagas, den mehrköpfigen Schlangen asiatischer Mythologie. Beide Mauern sind kunstvoll verziert. Die äußere ist jünger und wurde wohl nur erbaut, um die Terasse wenige Meter zu vergrößern. Wir verlassen Angkor-Thom durch das Siegestor, besichtigen zwei kleinere Tempel, erklettern den nie vollendeten Ta Keo steil empor und kommen am Nachmittag in Ta Prohm, dem so genannten Dschungel-Tempel an. Jayavarman VII ließ Ta Prohm als buddhistisches Kloster errichten. In der Blütezeit lebten hier 12000 Menschen, 80000 Menschen der unmittelbaren Umgebung waren mit der Versorgung und dem Erhalt der Anlage betraut. Das Kloster wiederum versorgte die 102 Krankenhäuser mit Personal und Medikamenten. In dieser Ruine erleben wir eindrucksvoll, wie der Dschungel sich den Bauten der Hochkultur der Khmer bemächtigt hat. Mächtige Kapokbäume wachsen auf und durch die Mauern. Eigenmächtiges Klettern, wie noch in unserem Reiseführer beschrieben, gibt es jedoch nicht mehr. Die Pfade sind markiert, vor den wichtigsten Fotomotiven stehen Holzpodeste zum Posieren und wir müssen einen sehr verlassenen Winkel aufsuchen, um etwas von der Mystik und dem Geheimnis dieser Ruine zu spüren. Zum Ende unserer ersten Tempeltour besuchen wir noch Banteay Kdai, der bis Ende der 1960er Jahre noch als buddhistisches Kloster in Betrieb war und daher von der Natur weniger durchdrungen ist. Direkt gegenüber liegt der künstlich angelegte See Srah Srang. Tempelkinder, die uns Wasser, T-Shirts, Malereien oder Drucke mit Angkor-Motiven verkaufen wollen, gibt es auch hier. Das Mädchen, das es auf mich abgesehen hat, spricht etwas Deutsch, ist sehr charmant und ich kaufe zum Abschluss ein T-Shirt für 2$. Für diesen Tag hätte noch Angkor Wat auf dem Programm gestanden, aber wir können nichts mehr aufnehmen und entscheiden uns ins Hotel zurück zu fahren. Wir sind tief beeindruckt von dem handwerklichen Können, dem logistischen Geschick und der religiösen und sozialen Vison, mit der uns diese Hochkultur begegnet. Gerade von dem Humanismus (wenn wir so etwas ahnen können) unter der Regentschaft Jayavarman VII, der gottgleich verehrt wurde, sind wir beeindruckt. Leider gibt es kaum schriftliche Quellen der Khmer, um die Rätsel ihrer Vergangenheit zu entschlüsseln. Wichtiges Zeugnis sind die Aufzeichnungen eines chinesischen Diplomaten, der die Anlage im 13. Jahrhundert besuchte und wenige Steintafeln. (mehr wissen? Ta Prohm…)

Am Morgen des zweiten Tages machen wir nur einen kurzen Abstecher nach Angkor Wat. Er liegt nahe genug an der Stadt, um ihn bequem mit dem Fahrrad zu erreichen. Diesmal verlassen wir Angkor Thom durch das Nordtor und besuchen wieder jede Menge Tempel. Preah Khan erreichen wir in einer ‚Touristenlücke‘. Die Tuk-Tuks haben mehr oder weniger dieselben Touren, so dass jeder Tempel Stoßzeiten hat. Die Anlage beeindruckt uns besonders im Bereich der Bibliotheken mit feinen Verzierungen. Hier ist es so ruhig, dass wir eine Weile sitzen bleiben und spüren können, bevor die ersten koreanischen Pfadfinder laut rufend hinein trampeln. Auch danach wird er wieder ruhig. Die Anlage ist riesig. Bei dem Weg durch die Gänge fallen mir zerkratzte Buddhafiguren an den Wänden auf. Die Spuren wirken aggressiv, zerstörerisch, nicht nach Raub, wie es bei vielen Skulpturen der Fall ist. Herausgebrochene Buddhas, Shivas und Vishnus, die im Kunstschwarzmarkt der Welt landen, werden uns ab jetzt sehr oft ins Auge fallen. Auch nach der Jahrtausendwende, nicht nur zur Zeit der roten Khmer, werden noch Figuren heraus gebrochen. Besonders wertvolle Stücke stehen daher in den Museen und sind durch Repliken ersetzt worden.

Am späten Nachmittag sehen wir unsere ersten Backsteintempel. Das sind die älteren Bauwerke. Sie wurden verputzt und die Figuren als eine Art Stuck gearbeitet. Die späteren Tempel, wie auch Angkor Wat sind aus Sandstein, in den sich Figuren und Friese leichter arbeiten lassen. Der Sandstein leuchtet warm in der Nachmittagssonne. Das Rot verbindet sich mit der roten Erde und bildet einen wunderschönen Kontrast mit den grünen Reisfeldern, dem Dschungel im Hintergrund und zum reinen Blau des Himmels. Auch an diesem Tag lassen wir zwei kleinere Tempel aus, um uns in den Anlagen, die wir besuchen, mehr Zeit lassen zu können.

Mehr als die beeindruckenden Zeugnisse der Khmer-Hochkultur haben uns heute die Menschen bewegt, die an den Tempeln versuchen Handel mit den Touristen zu treiben. Es ist wenig zu holen: Die Koreaner rennen durch und kaufen nichts. Sie haben alles dabei. Öfter hören wir – das scheint uns ehrlich – es ist kein guter Tag. Wir kaufen dann wenigstens ein Wasser. An einem Tempelausgang, einem toten Ende, an das sich kaum ein Besucher noch verirrt, treffen wir eine Mutter mit drei Kindern. Wir haben gelernt von den Kindern nichts zu kaufen, aber es fällt uns immer wieder schwer. Wir kaufen ein Wasser bei der Mutter. Wir handeln schon lange nicht mehr und bezahlen den geforderten Dollar. Beim Zurückgehen läuft mir ein Junge nach. Sechs, vielleicht sieben Jahre alt. Er verkauft kleine Stroh-Irgendwasse. 2000 Riel. Traurige Augen. Ich soll bitte kaufen. Nein, ich kaufe nicht von Kindern. Bitte! Jetzt nur noch 1000 Riel. Das sind zwanzig Euro-Cent. Nein. Ich muss mich abwenden, schnell eine stille Ecke suchen. Ich bin traurig und entsetzt wie sich hier ein kleiner Junge für diesen Betrag anbiedert, erniedrigt, während andere, gleich welcher Nation, die großen Profite einheimsen.

Was passiert, wenn einer der wenigen dicken Wagen mit Kennzeichen Phnom Penh hier diesen oder einen anderen kleinen Jungen überfährt – mit 80 km/h auf den schmalen Straßen, die die Ruinen verbinden? Nichts, sagt unser Tuk-Tuk Fahrer. Die Polizei lässt ihn fahren. Er hingegen müsse 2000$ zahlen, wenn er einen Unfall verursache – auch wenn keine Menschen zu Schaden kommen. Später werde ich ihn fragen, ob ihn das traurig stimme, die Ungleichheit, die Korruption in seinem Land und er wird ‚Nein‘ antworten.

Am dritten Tag haben wir eine weitere Fahrt mit dem Tuk-Tuk vor uns. Wir wollen das Tal der 1000 Lingams sehen und Bantaey Srey, den einzigen aus rotem Sandstein gearbeiteten Tempel, dessen Friese und Skulpturen so fein gearbeitet sind, dass er ‚Frauentempel‘ genannt wird, weil man sich vorstellt, dass nur kleine Frauenhände diese feinen Arbeiten haben ausführen können. (Hallo Kim :-))

‚Heute wird es etwas teurer‘, sagt unser Fahrer. Auf die Frage wieviel, weicht er aus und spricht über Sponsoring. Wir könnten ihm ein Tuk-Tuk sponsorn. Ein anderer Fahrer bringt sich ein und sagt, sein Tuk-Tuk sei von Touristen gesponsort. Wieviel so ein Gefährt kostet, wollen wir wissen. Neu $700, gebraucht $400 ist die Antwort. Auf unsere verdutzten Gesichter folgt ein ‚I’m joking‘ und wir fahren erst einmal los. Auf der Fahrt denken wir darüber nach, was unser Fahrer wohl verdienen mag, wenn ihm sein Tuk-Tuk nicht selbst gehört? Wenn er den großen Teil der $13, die wir täglich zahlen, einem Eigner abliefern muss?

Wir fahren durch wunderschöne Landschaften und Straßendörfer, bevor wir nach fast 2 Stunden Fahrt den Ausgangspunkt unserer Wanderung ins Tal der 1000 Lingams erreichen. Wir beginnen einen 2 km langen Aufstieg durch den Wald. Hier, wie im gesammten Angkor-Park wird jeden Tag der Waldboden gefegt. Entsprechend sauber sieht es aus, die Wurzeln der Bäume und Windungen der Lianen wirken unnatürlich hervorgehoben. Und überall die ohrenbetäubenden Zikaden, die ihre Apparate auf volle Lautstärke stellen.

Noch liegt viel ungeklärter Zauber über diesem Bachbett voller Bildhauerarbeiten, Shivas, Vishnus und eben Lingams, Lingams, Lingams… Wer hat diese spätere Pilgerstätte wann für wen gebaut? Lingams als solche symbolisieren hier in Kamobdscha den drei Gottheiten Brahma, Vishnu und Shiva, anders als in Indien und Nepal, wo die Phallussymbole ausschließlich Shiva repräsentieren.

Banthaey Srey, 30 Minuten von hier, ist der touristisch am meisten ausgebaute Tempel, den wir sehen: Garderobe, ein Info-Zentrum, Toilettenanlagen nach bestem westlichen Standard… Kurz danach aber wieder die üblichen Souvenirstände, Tempelkinder und Bettler. Der Tempel ist total beeindruckend. So etwas haben wir noch nicht gesehen. Die Feinheit und Schönheit der Bildhauerarbeiten ist umwerfend. Banthaey Srey hat nur eine Ebene und beeindruckt nicht durch seine Größe, sondern durch seinen Zauber, seine Schönheit. Der innerste Bereich ist heute für Besucher gesperrt, lässt sich aber auch von außerhalb der Absperrung gut betrachten. Hier erfahren wir auch, dass eine der Inkarnationen von Shivas Frau ‚Uma‘ heisst. (Liebe Grüße!) Ihr ist das rechte der drei Heiligtümer geweiht, das linke Vishnu und das zentrale Shiva. Wir brauchen lange Zeit alles anzusehen und zu erspüren. Letzteres gelingt wieder einmal nur in den kurzen Pausen zwischen den Busladungen. So kommen wir erst spät am Nachmittag aus der Anlage. (mehr wissen? 1000 Lingams…, Bantaey Srey…)

Ein älterer deutscher Tourist kommt uns rülpsend entgegen. Teutonen, wo ist eure Kultur? Bratkartoffeln? Solches Verhalten mag bei uns noch geduldet werden, in Asien ruft es (anders als das Ausspucken) tiefes Befremden hervor.

Wir sind übervoll von den Bildern der letzten Tage, schenken uns die letzten Ruinen und lassen uns zum Hotel fahren.

Einen kurzen Stop machen wir bei dem Landminenmuseum, einem Projekt (mittlerweile eine NGO mit australischer(?) Beteiligung), das von einem ehemaligen Kindersoldaten ins Leben gerufen worden ist. In Kambodscha findet man Minen aus aller Herren Länder. Schrott der kalten Krieger liegt im Museum friedlich entschärft nebeneinander. Z.B. ‚Bouncing Betty‘. Dieses amerikanische Model hat die Größe einer Konservendose und zwei Sprengladungen. Bei einer Last unter 5kg explodiert die Erste. Mit dem Schub ’springt‘ die Mine in eine Höhe um 1,2 Meter, um dann mit der zweiten Sprengladung tausende Metallsplitter auszusenden. Betty ist in einem Umkreis von 5 Metern sicher tödlich. Kopiert wurde in Asien auch schon in den siebziger Jahren. Wir sehen die chinesische Kopie einer italienischen Antipersonenmine. Das kambodschanische Landminenmuseum betreibt eine Schule, in der Straßenkinder aufwachsen und eine Ausbildung erhalten. Mehr wissen? Landminenmuseum Kambodscha…, Bouncing Betty…)

Am Hotel in Siem Reap angekommen fragt unser Fahrer ‚So, when tomorrow…‘ Wir wollen aber keinen weiteren Tag buchen, wollen nicht zum Tonle Sap, die Bootstour über den See scheint uns zu teuer. Unser Fahrer scheint überrascht und meint, dann müssten wir am nächsten Morgen aber wenigstens zum Essen in sein Haus kommen. Es sei nicht weit und läge auf dem Weg nach Angkor Wat. Wir sind überrascht, stimmen zu und sind doch nicht sicher, was wir tun sollen. Wir hatten keinen stärkeren persönlichen Kontakt, was wird er wollen? Sind wir sicher? Wir überlegen lange, dabei fehlen uns die Informationen zum Nachdenken und eine Frage jagt die folgende, ohne das Antworten auftauchen. Das eheste scheint, dass er seinen Gedanken, uns zu einem Sponsoring (das Wort ist inzwischen ein paar mal gefallen) anzuregen, weiter verfolgt.

Um neun am nächsten Morgen steht er vor der Tür. In Sichtweite des Angkorparks hört die Straße plötzlich auf, und wir fahren durch einsame Felder. Plötzlich links ein allein stehendes Haus. Hier biegen wir ein. Wir lernen seine Frau und den kleinen sechs Monate alten Sohn kennen. Drei Gerichte werden aufgetischt. Und Reis. Wir essen und trinken. Erfahren von den Sorgen dieser kleinen Familie. Das Tuk-Tuk ist zwar doch das eigene, aber es gibt zu viele gemessen an den Touristenzahlen und er bekommt zu selten einen Job wie diesen. Er überlegt nach Korea auszuwandern. Dort könne man als Bauer bis zu $500 im Monat verdienen. Seine Familie wären vor dem Krieg Bauern gewesen. Es will nicht in unseren Kopf: Dieses Land wächst rapide. Überall wird gebaut, der Tourismus blüht. Und die eigene Bevölkerung muss aus ökonomischen Gründen auswandern? Die Gewinne all diesen Wachstums kommen nicht bei den einfachen Menschen an. Wenige werden immer reicher. Chinesen und Koreaner bieten z.B. für den Bau eines Wasserkraftwerks für vier Jahre (billige) Arbeit und nehmen die folgenden 40 Jahre alle Profite mit nach Hause.

Robert shakert mit dem kleinen und bekommt es auf den Arm. Sind die blauen Stellen am Hintern vom Schlagen? Der Kleine lacht. Ein australisches Ehepaar sei einmal hier gewesen. Es hätte keine Kinder bekommen können und wollte eines adoptieren. Aber er habe ja nur einen Sohn und könne ihn nicht weggeben. (Welche Botschaft soll hier transportiert werden – wir wissen es nicht)

Wir sehen uns das Hochtzeitsalbum ab. Es ist voll mit Fotos vom Brautpaar und der für kambodschanische Verhältnisse kleinen Gesellschaft. Schicke Kleider und Anzüge. 4 komplett unterschiedliche Ausstattungen. Viele Fotomontagen. Auch vor Angkor Wat. Wenn ich die Wahrheit wissen will, muss ich auf die Schuhe des Brautpaares sehen. Der Bräutigam trägt die selben schäbigen Lederruinen, mit denen er uns jetzt durch die Gegend fährt. Die Bilder richten sich nach einem Kanon. Ich denke, man kann das alles mieten. Inklusive dem Fotografen, den Montagen und allen Acessoires. Und das alles muß sehr teuer gewesen sein. Der Alltag, den wir in diesem zu Hause sehen, zeigt sich nur eimal in den Bildern, als im Hintergrund der festlich gekleideten Gesellschaft eine rohe Bretterwand durchscheint.

Schneller als gedacht ist das Treffen dann beendet. Unser Guide drängt zum Aufbruch – er will uns in die Stadt zurückbringen, damit wir den Nachmittag für uns haben. Einen Wunsch nach Sponsoring oder anderer Unterstützung äußert er nicht. $700, oder €550 – wir hätten das überlegen können, wenn wir das Gefühl gehabt hätten, dieser kleinen Familie einen echten Start finanzieren zu können. Korea, zu viele Tuk-Tuk Fahrer… wir haben das Gefühl nicht. Häusliche Gewalt? Wir lesen die Ergebnisse einer Untersuchung, nach der die ‚weichen‘ asiatischen Männer zu 23% ihre Frauen schlagen. Diesen Nachmittag gehen wir nicht mehr in die Stadt, wir verbringen ihn ruhig am Pool und im Garten unseres Hotels.

In den kommenden Tagen sind wir mit dem Fahrrad unterwegs – immer im Angkor Park. Der erste Tage gehört ganz Angkor Wat. Wir brechen früh morgens auf und können dessen einzigarige Reliefs ansehen, bevor es voll ist. Wir steigen ein zweites Mal in das Herzstück der Anlage hinauf, den Bereich um den mythischen Berg Meru. Doch leider haben wir jetzt Pech und müssen aufpassen, dass wir nicht von den Koreanern überrannt werden. Wir sind die ganzen Tage im Park unterwegs und sehen uns die Dinge an, die zu kurz gekommen sind oder die uns außerhalb der getretenen Pfade noch interessieren.

Am 9. Dezember feiern wir unseren Jahrestag mit einem Caipirinha zu viel und ich lasse meine Lesebrille liegen. Um sechs Uhr am kommenden Morgen werden wir mit einem Pick-Up zum 15 km entfernten Bootsanleger gebracht. Wieder auf der Ladefläche und wieder ist er viel zu voll. Wir haben die Fahrt nach Phnom Penh im Speedboot gebucht um den Tonle Sap, den größten Süßwassersee Südostasiens noch zu erleben. Dieser See umfasst in der Trockenzeit 2500 km2 und breitet sich bis zu 22000 km2 aus, wenn das Schmelzwasser aus dem Himalaja den Mekong entlangströmt und das Wasser des Tonle Sap-Flusses zurückdrückt und sich die Strömung umkehrt. Der See beherbergt schwimmende Dörfer, eine vietnamesische Minderheit, bettelarm.

5,5 Stunden braucht das Boot für die 400 km. Es hat sich gelohnt. Trotz der hohen Geschwindigkeit erzeugt das Boot beinahe keine Bugwelle, durchschneidet den heute fast spiegelglatten See wie ein Messer, so dass wir uns auch bei 80km/h immer wieder nach draußen trauen, um Wasser und Landschaft nahe zu sein. Gut nach der halben Strecke sehen wir die Ufer kommen und der See geht langsam in den Fluss Tonle über, der bei Phnom Penh in den Mekong münden wird.

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