Laos
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4000 Island

Don Khone (18-24.12.10)

Da wir überwiegend fliegen, haben wir lange keine tatsächliche Grenze übertreten. Von Kambodscha kommen wir mit dem Bus, zahlen unseren ‚Overstay‘ (wir sind länger als unser Visum gültig war im Land geblieben) und unsere inoffizielle ‚Stempelgebühr‘, dann dürfen wir zu Fuß den etwa 500 Meter breiten Streifen Niemandsland durchlaufen. Auf der anderen Seite wird gebaut. Hier wird in einem Jahr ein in Backstein gemauerter Grenzübergang mit moderner Abfertigung stehen. Im Moment sind es zwei ausgediente Eisenbahnwagons. An kleinen Fenstern in die man nicht blicken kann, zahlen wir auch hier wieder Stempelgebühr, werden zu unserer Gesundheit befragt und dürfen in den bereitstehenden Bus steigen.

Schon eine halbe Stunde später erreichen wir den Hafen, von dem aus unser Boot nach Don Khone geht. Eine gute halbe Stunde schippern wir auf dem Mekong, der hier gar nicht wie ein Fluss aussieht, zwischen vielen kleinen und kleinsten Inseln. Ein paar verlassen das Boot bereits am Anlegesteg der alten französischen Fähre auf Don Det.

Wir finden eine Bleibe direkt am Fluss, einfach aber sauberes Bad. Unser Gasthaus steht gegenüber der Dorfschule. Der Zaun zum Weg besteht aus demontierten Gleisen der französischen Eisenbahn. Zweimal täglich kommen die Kinder dorthin, in Schulkleidung und mit Pionierhalstüchern. Da werden alte Erinnerungen wach. Von unserem Balkon aus können wir die Kinder abends im Mekong plantschen sehen. Pünktlich nach Sonnenuntergang beginnt für Kinder und auch für Erwachsene Plantsch- und Waschzeit.

Zusammen mit einem englischen ‚Grey'(Reisende um 60 – es sind viele!), den wir auf der Fahrt kennen gelernt haben, erkunden wir mit dem Fahrrad (auf viel zu kleinen Rädern, Thomas Knie schlagen am Lenker an) die Insel. Ein kleines Traumland ohne Autovehrkehr, überall von Wasser durchzogen, ein paar kleinen Dörfern mit Menschen, die von dem leben, was sie hier anbauen. Das ist vor allen Dingen Reis, der gerade geerntet wird, aber auch grünes Gemüse und Salat sehen wir immer wieder in kleinen Beeten in Ufernähe angepflanzt. Am Weg und auf den Feldern treffen wir auch immer wieder Wasserbüffel und ’normale‘ Rinder. Alle haben gerade Junge. Tierische Familienidylle.

An diesem Nachmittag sehen wir unseren ersten Mekongwasserfall, eine französische ‚Teak-Protection-Wall‘ über deren Funktion wir uns heute noch nicht klar sind und die alte französische Fähre auf Don Khone. Kurz vor dem kleinen Wasserfall gibt es ein kleines Restaurant und auf der Hängebrücke, die hinüber führt, schaukeln ein Australier und ein junger Brite beim Versuch sich selbst auf der Brücke zu fotografieren. Auf der Suche nach der Protectionwall müssen wir durchs Bambusdickicht. Wir sehen schnell, das die Wand nicht aus Teak ist sondern aus Beton und wohl die Funktion hatte, die Teakstämme beim flößen vor den Wasserfällen in die richtigen Bahnen zu lenken. Spekulation, denn eine genaue Auskunft konnten wir nicht bekommen. Als wir uns schon fast wieder auf die Räder schwingen wollen, sehen wir ein Feuer, das sich im Busch ausbreitet. Wir helfen den Einheimischen das Feuer zu bändigen und fahren weiter. Der alte Fähranleger liegt gut zehn Meter über dem Wasser und von hier aus haben wir einen wunderschönen Ausblick auf den gigantischen Fluss und seine kleinen und kleinsten Inseln. Auf der alten Eisenbahntrasse – dem ‚Highway‘ – fahren wir zurück in unser Dorf. Die Trasse hat die beiden Fähranleger von Don Det und Don Khone verbunden. Auf der Suche der Franzosen nach einem Weg nach China waren hier die Stromschnellen und Wasserfälle im Mekong im Weg. Einzige Möglichkeit sie zu umgehen war der Weg auf der Schiene über Land. Zu diesem Zweck wurden auch die beiden Inseln mit einer Brücke verbunden, die heute von Touristen genutzt wird: Unsereiner mit Fahrrad oder zu Fuß oder von den Touristenkutschen für Koreanerhorden, die auf Don Det anlanden, den Wasserfall auf Don Khone sehen müssen, aber weder laufen noch Fahrrad fahren können. Das sind tatsächlich die einzigen KFZ hier.

Als wir am kommenden Tag die ‚großen‘ Wasserfälle besuchen wollen, werden wir an der alten französischen Brücke angehalten. Wir sollen Eintritt zahlen für die Insel, auf der wir ja schon wohnen. Nicht gerade wenig, 2 Euro pro Nase und Tag. Ich verstehe, dass die Wasserfälle eine touristischer Ort sind, für den ein Eintritt gerechtfertigt sein mag und einige mich darauf einmal zu zahlen und dann nicht mehr. Klappt auch und wir werden jetzt jeden Morgen mit einem Lächeln begrüßt.

Was wollen Touristen sehen: Berge, Schlösser, Klöster, Höhlen und Wasserfälle. Zu wie vielen ‚waterfalls‘ ich schon bugsiert worden bin, weiß ich nicht. Wie der Mekong, der hier von Tausenden Inseln unterbrochen ist – eigentlich sind wir immer mitten im Fluß – sich von überall kommend in die Tiefe stürzt, ist wirklich beeindruckend. Wir sind früh da und können das Morgenlicht erleben. Die Betrachtung der gewaltigen Wassermassen, ihre Bewegungen im Gestein bringt uns zum Philosophieren. Wie Kinder stellen wir und die Reise eines Wassertropfens vor, der sich schon Tage vorher darauf freut, diesen gewaltigen Sprung zu tun. Nur einmal. Es gibt kein Zurück, keine Wiederholung. Alles im Fluss. Als es voller wird suchen wir den Strand am Fuß des Wasserfalls. Wir finden ihn am Ende eines trockenen Wasserlaufs. Ein paar Kinder bauen mit einem Touristen Burgen aus Schlick. Der Sand ist zu heiß zum liegen und im Mekong zu baden trauen wir uns nicht. Ich klettere ein wenig und finde eine Stelle, nicht breit, vielleicht einen Meter, an dem ein beständiger Luftzug weht, der mich kühlt. Auf dem Rückweg stoppen wir an einem einfachen Restaurant, ein Familienbetrieb, alle arbeiten oder liegen im Schatten in den Hängematten. Wir essen lecker, Robert hat Angst, ob es uns hier bekommt, ob es sauber genug ist. Es geht alles gut.Die Nachbarinsel heißt Don Det und ist mit unserer durch die französische Eisenbahnbrücke verbunden. Sie soll eigentlich eine ‚Partyinsel‘ sein, was wir vorfinden ist aber Hippi-Frieden. Winter-Vermeider jeden Alters mieten sich hier preiswerte Hütten mit einfachem Standard genießen Natur und die vielen kleinen bunten Restaurants. Don Det bietet bezaubernde und ruhige Plätze, besonders im Westen und Süden lockt sie mit einfachen aber idyllischen Bungalows und einem traumhaften Blick über den Mekong. Beide Inseln sind durch eine alte Brücke miteinander verbunden, von der aus der wunderschöne Sonnenuntergang bewundert werden kann. Kein Wunder, dass sich einige ganz niederlassen. Auf unserer Tour kommen wir am Veggie-Restaurant vorbei, das idyllisch am Westufer gelegen zu einem Stopp mit Massala-Tea, leckerem Kuchen oder Salaten einlädt. Eine Australierin und ein Franzose haben sich hier ein Grundstück gekauft und führen  dieses kleine bezaubernde Organic-Food-Restaurant. Alle Zutaten für den Salat kommen direkt von ihren Beeten. Köstlich. Und mit der untergehenden Sonne radeln wir entlang der Felder, wieder vorbei an Wasserbüffeln und über die Brücke zurück zu unserem Bungalow.

Wir radeln oft um und über die Inseln Don Det und Don Khone, genießen die weiten Felder, die grünen Wälder, die vielen kleinen Inseln und rauschenden Wasserfälle. So wie auch von unserem Bungalow aus.

Auf Don Khone fangen wir beide auch wieder an zu joggen. Jeden Morgen laufen wir unsere kleine Runde, entlang der Felder, vorbei an den Wasserbüffeln und durch die Dörfer. Die Einheimischen betrachten  uns dabei etwas skeptisch, wahrscheinlich fragen sie sich, warum wir zum Henker solchen Blödsinn machen. Einige Kinder machen sich einen Spaß daraus und ahmen uns nach.

In Laos lernen wir Julia kennen. Thomas überredet sie ein wenig in unsere Anlage zu ziehen: der Platz für die Hängematte fehlt. Julia kommt aus München, wir verstehen uns gleich gut und gehen abends gemeinsam Essen. Robert und Julia entscheiden sich sogar für das gleiche Essen, ihr wird es bekommen, Robert ist am folgenden Tag krank. Fieber und Polen offen. Schöner Sch… Robert muss ausruhen, aber das macht gar nichts, es ist so schön hier, warum nicht Weihnachten hier verbringen. Mit Julia radeln wir gemeinsam mit ihr zum alten Fähranleger und fahren ein zweites Mal mit dem Boot zu den scheuen und sehr seltenen Irrawady-Delfinen raus. Das Boot ist sehr wasserdurchlässig, und der Bootsmann ist die ganze Zeit am Wasser schöpfen. Auf einer kleinen felsigen Insel, auf der bereits einige Touristen Ausschau nach den Delfinen halten, legt auch unser Boot an. Von den Delfinen ist kaum etwas zu sehen, hin und wieder mal in hundert Meter Entfernung eine Wasserfontäne oder mit Glück der Rücken. Dafür füllt sich die kleine Insel mit Bier trinkenden Backpackers. Kurz bevor unser Boot wieder ablegt, kommen die Delfine doch noch etwas näher. Vom Fähranleger bewundern wir den bezaubernden Sonnenuntergang über den vielen kleinen Inseln des Mekongs. Dann kehren wir in der Dämmerung zu unseren Bungalows zurück.

Die Landschaft ist wundervoll, hier kann man den Winter vergessen. Wir haben aber noch nichts von Laos gesehen und am ersten Feiertag verlassen wir Don Khone. Julia ist schon fort, sie fährt noch einmal nach Kampot, Pfeffer kaufen und dann nach Thailand. Vielleicht treffen wie uns in Chiang Mai wieder oder in Myanmar.

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