Aufbruch, Laos
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Vang Vieng

Der Ort selbst, einst ein kleines Dorf an einem Fluss gelegen, ist zu einem Spielplatz für junge Backpacker geworden und ziemlich schrecklich. Die Hauptattraktion hier ist das Tubing. Alle Pubertierenden und die, die es nicht schaffen aus dieser Phase herauszukommen, setzen sich in riesige aufgeblasene Schläuche von Autoreifen und lassen sich mit der Strömung drei Kilometer den Fluss hinunter treiben. Der Trip dauert zwei und mehr Stunden, in der Regenzeit geht’s flotter den Fluss runter. Die Bars entlang des Flusses können jedoch aufhalten. Viele betrinken sich mächtig oder nehmen bewusstseinsverwirrende Substanzen zu sich, sogenannte Happy-Drinks. Dementsprechend kommen die Leute nach ihrer Tour ins Dorf zurück, völlig breit, mit Leuchtfarben am ganzen Körper bemalt, meist halbnackt und barfuß, zu einer Zeit, wo andere bereits in Jacke, Schuhen und Mütze herumlaufen, denn hier wird es abends richtig kalt. Sehr verrückte Stimmung in diesem Dorf. Wir ziehen uns lieber in unseren Bungalow zurück, abseits des Trubels auf der anderen Seite des Flusses im Cliffs View Bungalow Resort.

Das Resort hat gerade im Dezember 2010 eröffnet und wir schlafen in einem nagelneuen Bungalow, alles riecht noch ganz neu. Der Bungalow hat zu zwei Seiten eine Terrasse, von der einen blicken wir auf die Stadt, von der anderen haben wir einen genialen Panoramablick auf die wie riesige Zähne aus der Erde ragenden Karstberge. Hier verbringen wir unsere letzten zwei Tage in Laos.

Eigentlich ist nur ein Tag für diesen Ort geplant, da uns die Landschaft aber so gut gefällt, ändern wir unseren Plan und fahren mit dem Bus direkt von Vang Vieng nach Bangkok. Das Tubing überlassen wir den verrückten Travellern, wir ziehen es vor zu Fuß und mit dem Fahrrad die wunderbare und zauberhafte Landschaft zu erkunden.

In Sichtweite unseres Bungalows liegt ein vielleicht 150 Meter hoher Fels, oben mit einer Fahne geschmückt. Der lässt sich erklettern und wir können die Aussicht auf die Landschaft genießen. Thomas sieht allerdings völlig bleich aus, als wir oben sind, das Fieber ist noch nicht völlig runter.

Immer und immer wieder krank. Thomas Laune ist auf dem Tiefpunkt. Nichts ist ungetrübt. Was soll man nur essen? Immer wieder Verdauungsprobleme. Keine Kraft. Die Stimmung drückt auch Robert immer mehr, der versucht bei Laune zu bleiben. In Laos haben wir unsere anstrengendste Zeit.

In den Karstbergen befinden sich unzählige Tunnel und Höhlen, und so tauchen wir in die Dunkelheit der einen oder anderen Höhle ab. Jede hat dabei ihren ganz eigenen Zauber und Reiz. Tham Jang ist die berühmteste in Vang Vieng. Sie liegt einen Kilometer südlich des Dorfes. Wie so oft in Laos bezahlen wir einen ‚Wegezoll‘, um zu dieser Höhle zu gelangen. Die Höhle selbst kostet auch noch einmal Eintritt. Am Fuß der Höhle ist eine Quelle, die an heißen Tagen zum Baden einlädt. Eine steile Treppe führt hinauf zum Eingang. Diese Höhle ist die einzige komplett von innen beleuchtete. Fantastische Stalaktiten und Stalagmiten sind hier zu bewundern.

Die beiden anderen Höhlen Lu Si und Tham Phu Kham erkunden wir gemeinsam mit einem Guide, nur mit einer Taschenlampe in der Hand. Und je weiter wir in die Dunkelheit hineinklettern, um so unheimlicher wird es. Teilweise laufen wir durch riesige Hallen, und nur der schmale Lichtkegel unserer Taschenlampen bringt in die eine oder andere Ecke Licht. Mancherorts müssen wir auch klettern oder kriechen. An einigen Stellen rückt die Decke der Höhle immer näher. Ein plötzlicher Wind ist inmitten der Höhle zu spüren. Es ist ein ganz anderes Gefühl, eine Höhle im fast Alleingang und im Dunkeln zu erkunden als durch hell ausgeleuchtete ‚Hallen‘ zu laufen. Einfach toll!

Von Vang Vieng kann man mit dem Fahrrad einen Rundweg fahren, auf dem man durch die atemberaubende Landschaft fährt, verschiedene Dörfer sieht und an vielen Höhlen vorbeikommt. Unsere Radtour wird leider ein wenig durch den anhaltenden Nieselregen getrübt, der zum Ende der Fahrt in Regen übergeht. Aber der durch und über die Berge ziehende Nebel verleiht der Berglandschaft einen besonders mystischen Zauber. Wir fahren durch verschiedene Dörfer, passieren etliche Brücken, oft nur irgendwelche Bambusstangen, bei denen ein einfaches Zelt steht. Drinnen sitzen ein paar Frauen, die ein dünnes Seil über die Straße spannen und den Weg erst frei geben, wenn wir ein äußerst saftiges Entgelt zahlen. Aber wenn wir den Rundweg zu Ende fahren wollen, müssen wir zahlen.
Immer wieder sind wir von der Schönheit der Natur und von der Stille ergriffen, unterbrechen die Fahrt, um Wasserbüffelherden auf den weiten Feldern, umgeben von den im Nebel liegenden Bergen zu beobachten oder den bezaubernden Klängen der Vögel in den grünen Wäldern zu lauschen. Völlig nass und halb erfroren erreichen wir unseren Bungalow und verkriechen uns unter unsere Decken. Zum Glück gibt es hier richtig dicke warme Decken.

In Vang Vieng wird gebaut. In dem einstigen Dorf entstehen erste Hotelhochhäuser mit Fluss- und Bergblick. Wohl kaum für die Low-Budget Backpacker gedacht wird sich der Tourismus hier auch verändern. Hier inmitten der Berge nehmen wir Abschied von Laos. Wir haben eine 18-stündige Busfahrt bis nach Bangkok gebucht.

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