Aufbruch, Indien
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Fort Cochin 2

21.2. – 24.2.2011

Aus den Bergen zurück besuchen wir das jüdische Viertel mit Synagoge und den Niederländischen Palast mit wunderschönen Wandmalereien aus dem Ramajana-Epos. Unsere Rikscha-Fahrer bitten uns noch um einen Besuch in der Ingwer-Fabrik und zwei Regierungsläden. Sie bekommen Provision, wenn sie uns dort abladen, auch wenn wir nichts kaufen. Das machen wir gerne, gerade weil sie so offen darum bitten.

Nach der gemeinsamen Zeit trennen wir uns vorübergehend von Tippe und Wolf, die zu einer Hochzeit in Bangalore eingeladen sind. Wir beziehen ein super-kleines Zimmer im Mother Tree Guesthouse. Wir genießen die Annehmlichkeiten und die ruhige Stimmung in diesem kleinen Stadtbezirk und schauen uns alle Sehenswürdigleiten an, die wir noch nicht gesehen haben.

Wir besuchen gleich an zwei aufeinander folgenden Tagen das Kathakali Centre bei uns um die Ecke. Um 20 Uhr wird klassische indische Musik gespielt. Wir erfahren, dass der Norden und der Süden unterschiedliche Traditionen haben und haben das Glück beide kennen zu lernen. Südindisch mit Violine und Tabla, im nordindischen wird die Sitar zum führenden Instrument. Der Spielführer entscheidet sich für eine Raga, eine Grundform klassisch indischer Musik (mehr wissen…), auf deren Basis die zwei oder drei Musiker improvisieren. Wir mögen diese Musik sehr, leider sind die Konzerte nicht sehr gut besucht.

Vor dem Konzert sehen wir noch eine Auffuehrung der traditionellen Kampfsportart, die in der Vergangenheit bereits schon so gut wie vergessen worden war. Einige Fischer haben noch Teile der Kampfkunst überliefert, die seit einigen Jahren in bestimmten Zentren zusammen getragen und trainiert wird. Was wir sehen ist eine Mischung aus hoher Konzentration, dem Wissen um Energien im Körper des ‚Feindes‘, Körperbeherrschung, Akrobatik und Kampf.

Bei unserem ersten Besuch in Fort Cochin hatten wir hier mit Tippe und Wolf eine Kathakali Theateraufführung angesehen. Charaktere, Kleidung und Schminke, jede Körperbewegung und jede Mimik hat eine streng festgelegte Bedeutung. In der Stunde vor dem Beginn der Aufführung können wir dem aufwändigen Prozess des Schminkens folgen und werden an Beispielen über die Bedeutung der einzelnen Figuren und ihrer Mimik aufgeklärt. Die Figuren sprechen nicht, sie leben in Geräuschen und ihren Bewegungen, ein Sänger erzählt die Geschichte. (mehr wissen…) Obwohl ein großes Schild darum bittet, während der eigentlichen Aufführung nicht zu fotografieren, stören immer wieder Blitzlichtgewitter den Bühnengenuss und das Eintauchen in Musik und Schauspiel. Wenn ich mir das Aussehen des ausschließlich westlichen Publikums ansehe, erwarte ich solch rüpelhaftes Verhalten nicht. Ob die bürgerliche Mitte meint ihren Anstand für den Urlaub suspendieren zu können? Es ist wirklich erschreckend welch rüpelhaftes Verhalten gerade bei mittelalten und älteren Reisenden zu beobachten ist, wenn es ums fotografieren geht. Immer wieder auf dieser Reise denke ich darüber nach, was ich im Unterricht noch tun kann um hier die Sensibilität zu schulen.

Im Kathakali Art Centre werden bewusst die Traditionen indischer Kultur gepflegt. Der Chef scheint bewusst einen Hort gegen die zunehmende Verwestlichung bilden zu wollen, ist dabei nicht unfreundlich sondern klärt auf. Wir erfahren z.B., dass ayurvedische Massage durch Fasten vorbereitet werden soll, traditionell zwischen vier und sechs Uhr morgens stattfindet und nicht aus einer sondern immer aus mehreren Anwendungen besteht. Ganz anders als es hier für den zahlenden Touristen angeboten wird, ist so eine ganzheitliche Anwendung nicht unbedingt bequem, sondern heilsam.

Wir fuehlen uns in diesem Zentrum sehr wohl und geniessen die ruhige und besinnliche Atmosphaere hier.

Unsere nächste Station ist Mysore, Hauptstadt der Sandelholzölproduktion und der Räucherstäbchen.

 

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